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Über Grenzen WACHSEN

lautet der Titel des Ausstellungsformats der Künstlerinnen und Künstler Homa Emami, Klaus Fritze, Thom Kubli und Nazgol Majlessi. In den dreigliedrigen Räumen des Kunsthaus Troisdorf haben sie gemeinsam 70 m Standardbauzaun aufgestellt und sich damit zunächst individuelle Territorien abgesteckt, in denen sie mit ihren Arbeiten Grenzen überwinden wollen.

Homa Emami baut in ihrer vielschichtigen Arbeit an einer utopischen Heimat – an einem Zuhause, das in nomadischer Arbeitsweise entstanden ist und ebenso seine Form finden wird. In ihrer Installation verwendet sie Baumaterialien, u.a. Blaupausen von Grundrissen, eingegipste Fotos von Häusern, Glasscherben, gefundene Steine, probenartig entnommene Erde und zerbrochene Gipswände, auf denen sich zarte Zeichnungen und Motive aus ihrem ursprünglichen Heimat- und Geburtsland Iran finden. Zitate verschiedener Werke und Fragmente aus ihrer langjährigen künstlerischen Arbeit werden kommentarlos miteinander konfrontiert. Zuckerstücke lagern nebst Gebilden aus dem Inhalt von Staubsaugerbeuteln. Gerahmte Papierarbeiten finden ihren Platz im Schatten kugeliger Formen. Lebensmittel hybridisieren sich mit Wachs-Nudeln und gerollte Pergamentbögen schichten sich mit gepresstem Zeitungspapier.

Klaus Fritze bewegt sich als Grenzgänger an den Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft in seiner künstlerischen Praxis, in Objekten und temporären Rauminstallationen züchtet er aus dem Sammelsurium manisch gesammelter Artefakte und Naturalia und in wissenschaftlerisch geprägter Weise geordnete Archive und wachsende Wunderkammern. Mit Homa Emami seit anderthalb Jahrzehnten durch gemeinsame künstlerische Interessen und als Atelierkollektiv verbunden nutzt er im Kunsthaus den Zaun als Expositionsgerüst und versucht die horizontale Begrenzung durch vertikale Materialstapelungen aus seinem Archivalien zu überwachsen. Mit Thom Kubli zusammen hat der promovierte Biologe an der Kunsthochschule für Medien studiert und bereits in der Vergangenheit gemeinsame Experimente durchgeführt.

Kubli ist Komponist, Künstler und Hörspielautor. Seine künstlerische Arbeit in Troisdorf nimmt Bezug auf die authentische Fluchtgeschichte der sri-lankischen Handball-Nationalmannschaft. In einer sparsamen Komposition aus möglicherweise authentischen Requisiten, einem alten Kofferradio und einem 4-Kanal Raumklang erzählt er qua eines kryptischen Radiosenders die Geschichte einer erfolgreichen Kontinental- wie Grenzüberwindung.

Nazgol Majlessi, die mit Klaus Fritze und Thom Kubli ebenfalls an der Kunsthochschule für Medien Köln studiert hat, hebt mit ihrer Installation scheinbar ab und erweckt den Eindruck den Luftraum der Galerie nutzen zu wollen. Mit physikalischen wie skulpturalen Mitteln überwindet die auch als Filmregisseurin arbeitende Künstlerin die Limitierungen und hinterfragt metaphorisch die Konsequenzen der Schwerkraft.

Die Ausstellung soll Menschen dazu einladen Begrenzungen und ihre Überwindung zu erfahren. Welche Rolle das Wachsen dabei spielt, sollen sie selbst erleben, wenn ihnen möglicherweise auch zunächst ein Zaunsegment den gewohnten Eintritt in die Räume Grenzen setzt, sollten Umwege wohlwollend in Kauf genommen werden.

Read More23. Januar 2016 16:41 - Posted by admin

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