NACHTSCHATTENGEWÄCHSE – 7.4. – 5.5.2019

NACHTSCHATTENGEWÄCHSE
7.4. – 5.5.2019

Mit Betreten der Räumlichkeiten eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern eine wahre Wunderkammer zeichnerischer Vielfalt. Es scheint, als gäbe es kein Ordnungssystem, das die Vielzahl und Vielfalt der Arbeiten kategorisiert. Der Eindruck einer „wilden Hängung“ entsteht, die dennoch formal in Bildgruppen arrangiert ist. Namen und Titel der Künstler sucht man hier vergebens, denn diese sollen nicht über die Qualität und den Wert des einzelnen Werkes entscheiden. Neben bekannten Künstlern aus der Kölner Region sind es vor allem Künstler, die auf dem Kunstmarkt nicht etabliert und nahezu unbekannt sind. Peter Kerschgen schafft mit diesem Ansatz einen Kontrapart zum stetig wachsenden und florierenden Kunstmarkt und der Museen, deren Aufmerksamkeit meist renommierten Künstlern und vielversprechenden Newcomern gewidmet ist. Wichtiger für Kerschgen ist der emotionale Wert der Arbeiten, so dass er zu vielen Künstlern Freundschaften führt und zu jeder einzelnen Arbeit eine enge Verbindung spürt. „Wir sehen viele Dinge, die sonst nicht in Ausstellungen gezeigt werden und im Dunklen verblühen würden“, so der Sammler. Bei seiner Sammlungsabsicht geht es ihm auch um die „Existenzberechtigung der Arbeiten, die nach dem Überleben schreien“. Das Sammeln von Werken, die ohne ihn in Vergessenheit gerieten und ein Dasein im Verborgenen verleben würden, belanglos für den Kunstmarkt, ist sein Ansporn diese herausragenden Zeichnungen zu sammeln und stetig der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das Kunsthaus Troisdorf präsentiert unter dem Titel „Nachtschattengewächse“ ausgewählte Arbeiten des Kunstsammlers Peter Kerschgens. Im Fokus seiner umfangreichen Sammlung steht das Medium der Zeichnung, welche er seit den 1975er Jahren zusammenträgt. Der vom Niederrhein stammende ehemalige Lehrer für Sonderschulpädagogik generierte so in den letzten 45 Jahren ein unglaubliches Sammelsurium höchst qualitativer Arbeiten. 20 000 Exemplare befinden sich seither in seinem Bestand, von denen nun im Kunsthaus Troisdorf rund 400 Arbeiten von insgesamt 100 Künstlern gezeigt werden. Zuvor war die Sammlung bereits Dreizehn mal im musealen Kontext deutschlandweit präsent und zeugt von der leidenschaftlichen Aktivität des Sammlers. Das Troisdorfer Kunsthaus ermöglicht mit diesem Ausstellungsvorhaben eine neue Präsentationsfläche für Kerschgens Sammlerstücke. Mit der Werkschau bespielen ausschließlich auch erstmals zeichnerische Arbeiten die hiesigen Ausstellungsräume, deren Zusammenwirken eine ästhetische Symbiose offenbart.

Seine Sammlung nennt er „Ideenspeicher“ und es scheint, als ob es keine thematischen und gestalterischen Grenzen gibt. Von abstrakten Tuschezeichnen über Aktstudien mit Kohle gezeichnet bis zu collagierten Zeichnungen fabelhafter Wesen oder detaillierten Landschaftszeichnungen – Kerschgens gesammelte Zeichnungen bilden jede Facette dieses Mediums ab. Ihre stets individuelle Präsentation in Ausstellungsräumen unternimmt der Sammler eigens und intuitiv. Erst vor Ort selektiert er aus seinem gesamten Kunstschatz Arbeiten und setzt diese, arrangiert in Gruppen, mit dem Ausstellungsraum in einen Kontext und schafft auf diese Weise ein Gesamtkunstwerk aus Architektur und Zeichnung. Oftmals bespielen seine Arbeiten neben den Wänden auch großflächig den Boden, ein Vorhaben, das auch für den Nebenraum im Kunsthaus angedacht ist. In der Atmosphäre eines White Cubes treten Kerschgens Nachtschattengewächse nun ans Tageslicht. Der Eindruck der anfänglichen „Unordnung“ weicht beim aufmerksamen Betrachten der Arbeiten. Die einzelnen Zeichnungen stehen im Gesamtzusammenhang eines großen, raumgreifenden energetischen Systems. Der Betrachter wird angeregt, „Vergleichendes“ im Raum zu finden, um das einzelne Werk in das Gesamte einzuordnen. Manchmal erspäht er bereits in einer Gruppe mehrere Arbeiten mit der gleichen Handschrift. Manchmal macht er diese Entdeckung erst in einer weiteren Gruppe, in einem anderen Raum. Auch gestalterisch sind die Werke innerhalb der Gruppen verbunden. Es entstehen auf diese Weise Synergien zwischen den einzelnen Gruppen und Werken innerhalb der Ausstellungsräume.

Eine hervorzuhebende Gruppe ist die des „Persischen Prinzen“, die zentral im ersten Ausstellungsraum zugegen ist. Zu sehen sind jeweils Bildpaare, die Assoziationen zur Thematik des persischen Prinzen abbilden. Seit den 80er Jahren wächst diese Gruppe in Kerschgens Sammlung. Anfangs noch bestückt mit Werken von Künstlern wie Nichtkünstlern, konzentriert sich Kerschgens jüngst ausschließlich auf Arbeiten von ihm ausgewählter Künstler und bittet diese um einen künstlerischen Beitrag. Im Vergleich zu den restlichen Arbeiten scheint sich in dieser Werkgruppe eine kleine Disposition der gattungsübergreifenden Gestaltung eingespielt zu haben, so dass die Zeichnung um weitere Materialien und Medien erweitert wird.

In der Tradition der Sammlungsgeschichte erreicht diese Kunstsammlung einen eigenen Stellenwert und ein Alleinstellungsmerkmal. Peter Kerschgens spricht ihr den Charakter einer Kunst zu, die geschaffen wurde um ihrer selbst willen, ein Ansatz der in der Mitte des 20. Jahrhundert auch die junge Kunstavantgarde antrieb. Gleichzeitig wertet er die Zeichnung als eigenständiges Medium auf und präsentiert sie als vollwertiges Kunstwerk selbstverständlich im Ausstellungsraum, wenngleich manche Werke ursächlich aus Notizbüchern stammen, Vorstudien bildeten oder nicht für eine Öffentlichkeit bestimmt waren. Der Sammler wird mit seiner Sammlungspräsentation selbst zum Katalysator der Werke und ihrer Künstler und geleitet den Betrachter durch eine wundersame Welt des Zeichnens.

Natascha Jacob

VIDEO ZUR AUSSTELLUNG

DOMGOERGEN/DORNER/ROPPEL/RIECK/JAZZQUARTETT – 14.3.2019, 20 UHR – KONZERT

Das Quartett spielt, überwiegend Kompositionen, deren  Stilelemente, eine große musikalische Vielfalt wiederspiegelt. Mal klingt es swingig, dann groovt es mit rhythmischer Raffinesse, Kompositionen des  klassischen Jazz sind genauso vertreten, wie Stilelemente des Modern Jazz. Dieses Quartett kennt keine Grenzen. Stilistisch wie spieltechnisch, absolut flexibel. Die Virtuosität und die Interaktion der Musiker, ist in jeder Komposition gegenwärtig. Die jahrelange Zusammenarbeit der Musiker mit nationalen und internationalen Künstlern wie Earny Watts, Bobby Stern, Theo Jörgensmann, Peter Giger, Gunter Hampel, Köln Big Band, Helge Schneider, Wolf Maahn, Klaus Major Heuser im Jazz Rock Pop Bereich verspricht einen Hörgenuss der Extraklasse!

Ausschreibung Förderatelier im Kunsthaus Troisdorf

Atelierstipendium zur Förderung junger Künstler/innen

Das Kunsthaus Troisdorf schreibt zur Förderung junger Künstlerinnen und Künstler zum 1.4.2019 wieder ein Atelierstipendium aus. Das Förderstipendium im Kunsthaus Troisdorf wird für 2 Jahre vergeben und soll den Stipendiaten den Einstieg in den Kunstbetrieb erleichtern. Das Stipendium umfasst die miet- und nebenkostenfreie Überlassung eines Atelierraumes im Kunsthaus Troisdorf. Darüber hinaus erhält der/die Stipendiat/in die Möglichkeit, an Gruppen- und Austauschausstellungen sowie der jährlichen Kunstmesse des Kunsthauses teilzunehmen. Das Stipendium endet nach 2 Jahren und kann nur einmal an die gleiche Künstlerin / den gleichen Künstler vergeben werden. Bewerben können sich Nachwuchskünstler/innen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland, die zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 35 Jahre sind. Die Bewerber/innen sollten ein Studium an einer Kunsthochschule absolvieren bzw. absolviert haben oder als Autodidakten eine kontinuierliche mehrjährige Ausstellungspraxis in relevanten Einrichtungen des Kunstbetriebes (Kunstvereine, Galerien, Museen etc.) nachweisen können. Mit der Bewerbung sind eine Vita sowie 10-15 Arbeitsbeispiele der eigenen künstlerischen Tätigkeit, die nicht älter als zwei Jahre sein sollten, bevorzugt per E-Mail oder auf CD einzureichen. Die Bewerbungsunterlagen werden nicht zurück gesandt. Einsendeschluß ist der 15.2.2019. Über die Vergabe entscheidet eine Jury. Die Bewerbung ist zu richten an: info@kunsthaus-troisdorf.de oder postalisch an die Stadt Troisdorf, Kulturamt 45.1, Frank Baquet, Kölner Straße 176, 53840 Troisdorf.